Wendhausen, 6. Juni 2015

Nachricht

Erdbeeren für die Gäste aus Asien

Zwei Blindenchöre präsentieren in der St. Thomas Kirche traditionelle asiatische Musik - aber nicht nur

Der Blindenchor aus Taiwan mit dem Bambusinstrument Angklung. Jedes Instrument besteht aus mehreren Klangkörpern. Über 100 davon hat der Chor mit nach Wendhausen gebracht. Foto: Möller

Wendhausen. Blau gekleidete Menschen laufen mit seltsamen klackernden Holzinstrumenten durch die Straßen. Es ist nicht zu übersehen: Wendhausen macht dieser Tage Bekanntschaft mit der asiatischen Kultur und Musik. Und ist ganz und gar begeistert davon. Die Gruppe, die jetzt in Richtung St. Thomas Kirche abbiegt, kommt aus Taichung, der drittgrößten Stadt Taiwans. Sie ist der Einladung der Hildesheimer BlindenMission gefolgt, die ihr 125-jähriges Bestehen feiert, und Chöre aus ihren Schulen in Asien nach Hildesheim eingeladen hat.

Frank Ewert, Leiter der BlindenMission, begrüßt den Chor aus Taiwan, der im Hotel Altes Forsthaus untergebracht ist. Ewert ist begeistert über die Offenheit der Wendhausener: „Die Aufnahme der Gäste hat fantastisch geklappt.“ Ein zweiter Blindenchor aus Surabaya in Indonesien, der ebenfalls heute in St. Thomas singt, schläft im Dorfgemeinschaftshaus. Die Unterkunft wird dem Chor unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Es gibt eine Küche und einen großen Schlafraum. Der Sportverein stellt Duschen und Waschräume.

Bisher gebe es keine Probleme, sagt Irmela Wrede, die die beiden Gruppen für die BlindenMission betreut. Insgesamt über 30 Menschen. Man müsse zwar viel improvisieren, die Gästen würden aber im Dorf offen und freundlich empfangen. Das sieht man: Die kleine St. Thomas Kirche ist gut gefüllt. Bürgermeister Axel Witte muss auf den oberen Rängen Platz nehmen.

Behalten Wendhausen in süßer Erinnerung: Joseph Lai aus Indonesien und Ryan Syuahad aus Taiwan mit Erdbeermarmelade vom Obsthof Sundermeyer. Foto: Möller

Dann beginnt das Konzert. Und jetzt wird klar: Das klappernde Holzinstrument ist ein traditionelles asiatisches Bambusinstrument und heißt Angklung. Es klingt wie die Mischung aus Xylophon und Schellenkranz. Interessanterweise singen die Chöre nicht nur asiatische Volkslieder, sondern auch moderne Popmusik. Etwa von den Beatles, Louis Armstrong oder Céline Dion, die in Taiwan sehr populär sei, erklärt Lehrer Ryan Syuahad, der sich für der Unterstützung der Wendhausener bedankt.

Pastor Johannes Achilles aus Schellerten hat selbst sechseinhalb Jahre für die Hildesheimer BlindenMission gearbeitet. Man habe gespürt, dass das Konzert etwas Besonderes gewesen sei, so Achilles. Am Ende bekommen die Chöre noch ein schmackhaftes Geschenk. Die Chöre waren nach einer Stadtführung durch Hildesheim noch auf dem Obsthof Sundermeyer zu Gast, jedoch nach der Besichtigung so müde, dass keine Kraft mehr da war, um noch Erdbeeren einzukochen. Stellvertretend übergibt Irmela Wrede den beiden Begleitern die frische Erdbeermarmelade, die Sundermeyers kurzerhand trotzdem eingekocht haben. Eine besonders süße Erinnerung an den Aufenthalt in der Hildesheimer Börde. Christoph Möller