Hildesheim, 16. Oktober 2015

Nachricht

Erst das Smartphone, dann das Kind?

Fachberatung veranstaltet ersten Verbandsfachtag für Kinder-Mitarbeitende

Hildesheim. Zum ersten Mal hat die Fachberatung alle Kitas des Kirchenkreisverbands eingeladen. Fast 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ließen sich von dem provokanten Titel „Medien im Kita-Alltag – wieviel Blickkontakt braucht mein Smartphone“ ins Kirchenamt.

Der Medienpädagoge Jens Wiemken konnte zunächst in einem spannenden Vortrag den kulturellen Wandel auch mit Bildern verdeutlichen. Wo früher im Großraumwagen der Bahn 50 ZeitungsleserInnen saßen, sitzen heute 50 Smartphone-NutzerInnen. Sie eint ein gemeinsames Interesse an ihrer Außenwelt und an Nachrichten. Weiterhin verdeutlichte er, warum ein Medium wie das Smartphone heutzutage wichtig für vor allem junge Leute ist. Zugleich warnte Wiemken: „Wenn Menschen nicht ohne ihr Phone in der Hosentasche leben können, haben sie ein Ich-Problem. Sie sind sich ihrer eigenen Identität nur sicher, wenn sie diese ständig durch den Kontakt zu Freunden bestätigt bekommen.“

Auch die persönliche „Überwachung“ großer Internetfirmen, die durch unsere „Datenspur“ beim „googeln“ oder Versenden von Textnachrichten möglich ist, war ein Thema. Es gab hilfreiche Tipps um, PC´s und Handys sicherer zu machen.

In Workshops beschäftigten sich die Kita-Mitarbeitenden später mit den Themen Hausordnung oder Elternbildung sowie den Medienkonzepten der Kitas. „Wir stecken mitten in einem kulturellen Wandel“, so Wiemken, „der erst noch von uns allen verdaut werden muss.“ Teilweise müssten dann eben auch neue Spielregeln eingeführt werden, was in Sachen Handynutzen angemessen und erwünscht ist. So stören sich Erzieherinnen häufig daran, dass Eltern weniger mit ihren Kindern reden, weil sie selbst beim Holen und Bringen in der Kita nicht von Telefon ablassen.

Das Schlusswort am Ende des Tages: Kinder, die in einem Elternhaus voller elektronischer Medien aufwachsen, können nichts dafür. Sie in der Kita zu stigmatisieren wäre falsch. Medien und deren Konsum müssen von den Erzieherinnen mit den Kindern – und im besten Fall auch mit den Eltern - reflektiert und „entzaubert“ werden.