Kirchenkreisverband Hildesheim, 13. April 2015

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Den Hospizgedanken weitertragen

Hospizverein „Geborgen bis zuletzt“: Engmaschiges Netz von Ehrenamtlichen soll Kontakt zu ÄrztInnen und Altenheimen verbessern

Der Vorstand des Hospizvereins „Geborgen bis zuletzt“ (v.l.n.r.): Cordula Stepper, Matthias Böning, Sigrid Gottschalk, Helga Anton sowie Friedrich Wißmann, Vorstandsvorsitzender. Foto: Balzer
 

Hildesheim. Es ist eine lebhafte Diskussion: Wie kann der Hospizverein im Ev.-luth. Kirchenkreisverband Hildesheim sein Leitbild in die Öffentlichkeit tragen? Wie Altenheime, ÄrztInnen und Angehörige erreichen? Friedrich Wißmann, Vorstandsvositzender des Vereins, hat sich vorgenommen, den Bereich der Öffentlichkeitsarbeit zu stärken. Die Zahl der Sterbebegleitungen steige weiter an, und so hoffe man auch auf das Engagement neuer ehrenamtlicher HospizbegleiterInnen sowie neuer Fördermitglieder. „Es ist jetzt wichtig, den Hospizgedanken weiterzutragen“, sagt Wißmann.

Im gesamten Jahr 2014 habe es 59 abgeschlossene hospizliche Begleitungen gegeben, verdeutlicht Martin Sohns, Koordinator des Hospizvereins. In diesem Jahr seien nun bereits 24 Hospizbegleitungen abgeschlossen worden. Hinzu kommen 8 laufende Trauerbegleitungen, das Trauercafé, eine geschlossene Trauergruppe sowie Urnenbeisetzungen, die eine würdevolle Bestattung für sozial Notleidende ermöglichen.

Um das bestehende Netzwerk von Mitgliedern und Unterstützern weiter auszubauen, hat Rita Willke, seit vergangenen Oktober Koordinatorin des Hospizvereins, gemeinsam mit Peter Schirmer ein Modell der „Patenschaften“ entwickelt, das eine Grundlage für weitere Diskussionen ist.. Die ehrenamtlichen HospizbegleiterInnen wohnten überall in den Kirchenkreisen Hildesheimer land-Alfeld und Hildesheim-Sarstedt, erklärt Schirmer. In ihrer Nachbarschaft gebe es Hausärzte, Altenheime und andere Gruppen, die sich für die Arbeit des Hospizvereins interessieren könnten. „Jeder könnte ein wenig Öffentlichkeitsarbeit für den Hospizverein übernehmen“, so Schirmer. Das Ziel: ein engmaschiges, funktionierendes Netzwerk von Patenschaften.

Daneben gelte es, die praktischen Probleme der Hospizarbeit stärker ins öffentliche Interesse zu rücken, ergänzt Cordula Geduldig-Jacki bei Mitgliederversammlung im Hildesheimer Kirchenamt. Die Frage etwa, was ein guter Zeitpunkt wäre, sich mit dem Hospizverein in Verbindung zu setzen. Immerhin komme es immer wieder vor, dass Angehörige sich so spät meldeten, dass eine angemessene Sterbebegleitung nicht mehr möglich sei, so Cordula Geduldig-Jacki, die als ärztliche Psychotherapeutin und in der Ausbildung von zukünftigen HospizbegleiterInnen tätig ist.

Wie nötig noch Aufklärung ist im gesellschaftlichen Umgang mit einem würdevollen Tod, das betont auch Pastor Dr. Michael Coors, theologischer Referent am Zentrum für Gesundheitsethik. Das Thema seines Vortrags an diesem Abend: Die so genannte Sterbehilfe. „Ein schwammiger Begriff“, so Coors, „der mehr Schatten wirft als Licht.“ Die Tötung auf Verlangen werde weiter unter Strafe stehen. Das Unterlassen einer Behandlung, wenn der Patient darum bitte, sei auch in Zukunft rechtlich und ethisch zulässig. All das stehe nicht zur Diskussion. Von einer Liberalisierung der Sterbehilfe, wie zuweilen in der Presse berichtet, könne keine Rede sein.

„Respekt vor der Selbstbestimmung des anderen“, schließt Michael Coors, „das ist die Grundlage von Fürsorge.“ Eine gute ärztliche und palliative Versorgung sowie eine Hospizbegleitung, die Geborgenheit bis zuletzt vermittle, seien die gesellschaftliche Grundlage dieser Selbstbestimmung. Damit gehe es – statt um Hilfe zum Suizid – um den Schutz des Lebens.

Eine positiver Blickwinkel, den Erika Busse teilt. Die Hospizbegleiterin aus Salzhemmendorf erzählt im Anschluss an die Mitgliederversammlung, sie habe durchaus viele bereichernde Erfahrungen in ihrer Tätigkeit für den Hospizverein gemacht. „Natürlich ist es oft schwer, aber wenn sieht, man kann Menschen noch im Sterben begleiten, das beruhigt.“ Maximilian Balzer