Hildesheim, 20. März 2018

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Kommunikation am Ende des Lebens

HAWK-Wissenschaftlerinnen begleiten Hospiz-Fortbildung für SterbebegleiterInnen

Ulrike Malzahn demonstriert die Methode des Modellierens an Karin Cornelius, Vorstandsmitglied beim Hospizverein „Geborgen bis zuletzt.“ Durch das Nachzeichnen der Geschichtszüge kann der Erkrankte das eigene Gesicht besser spüren. Foto: Dittrich 

Hildesheim. Am Ende des Lebens und bei schweren Erkrankungen kann die Kommunikation mit anderen Menschen schwierig oder unmöglich werden. Basale Stimulation kann helfen, mit sterbenden und stark eingeschränkten Menschen in Kontakt zu treten. Der Hildesheimer Hospizverein „Geborgen bis zuletzt“ bietet für ehrenamtliche Sterbegleiter/innen nun zum ersten Mal eine Fortbildung zur basalen Stimulation an. Prof. Dr. Ulrike Marotzki und Prof. Dr. Sabine Mertel von der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit begleiten und evaluieren die Fortbildungsmaßnahme mit dem Forschungsprojekt „Nonverbale Kommunikation mit Sterbenden (NoKoS)“.

Die 14 Teilnehmenden der Fortbildung sind ehrenamtliche Sterbebegleiter/innen des Vereins „Geborgen bis zuletzt“ und dem Ökumenischen Hospizdienst Sarstedt und Angehörige von schwerkranken oder sterbenden Menschen. „Wir haben festgestellt, dass es unseren Ehrenamtlichen in manchen Fällen schwer fällt, mit Sterbenden in Kontakt zu treten“, berichtet Rita Willke, Koordinatorin beim Hospizverein „Geborgen bis zuletzt“. Häufig seien es Erkrankungen wie die Folgen eines Schlaganfalls oder ein Hirntumor, die das Sprechen unmöglich machten. Im Sterben würden sich viele Menschen aber auch in sich selbst zurückziehen und seien nicht mehr ansprechbar. Dann würden die Mitarbeiter/innen versuchen, der Person durch Berührungen, Musik oder auch Vorlesen zu zeigen, dass sie nicht alleine ist, beschreibt Willke. Besonders schwierig sei es dann, wenn es keine Angehörigen gibt, die den Menschen im bewussten Zustand gekannt haben. „Oft werden wir in Altersheime gerufen. Wenn der Mensch dann nicht mehr bei Bewusstsein ist, müssen wir erahnen, was die Person in diesem Moment braucht.“ Bevor die Ehrenamtlichen der Hospizvereine Sterbende begleiten können, absolvieren sie einen Vorbereitungskurs. In der Ausbildung spielt basale Stimulation bisher aber keine Rolle. Über die Benefizaktion „Hand in Hand für Norddeutschland des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und des Deutschen Hospiz- und Palliativ Verbandes (DHPV) konnte der Verein nun die Fortbildungsmaßnahme finanzieren.  

Karin Cornelius, Vorstandsmitglied beim Hospizverein „Geborgen bis zuletzt, Prof. Dr. Sabine Mertel, Ulrike Mahlzahn und Rita Willke freuen sich auf die Zusammenarbeit. Foto: Dittrich 

Ulrike Malzahn, Lehrerin für Pflegeberufe an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), leitet die Fortbildung, die an der HAWK in Hildesheim stattfindet. „Bei der basalen Stimulation werden die Nahsinne des Menschen angesprochen und gefördert“, erklärt sie. Über diese Sinne könne der Mensch beispielsweise die eigenen Bewegungen, Berührungen oder auch Klangvibrationen wahrnehmen. „Wenn ein Mensch sich kaum mehr bewegt, werden seine Nahsinne nicht mehr gefördert“, erläutert Mahlzahn. „Irgendwann spürt sich die Person selbst nicht mehr und fühlt sich im eigenen Körper nicht mehr sicher.“ Mit gezielter Stimulation durch Berührung, Klänge oder auch Lichtreize könne man das Körpergefühl fördern und mit Menschen in Kontakt treten, die sich nicht mehr verbal ausdrücken könnten.

Um herauszufinden, wie die Arbeit der Sterbebegleiter/innen von der basalen Stimulation profitiert, wird die Fortbildungsmaßnahme von Wissenschaftlerinnen der HAWK begleitet. „Die Methoden der basalen Stimulation sind bisher vergleichsweise wenig erforscht“, erklärt Prof. Dr. Sabine Mertel, die das Forschungsprojekt NoKoS gemeinsam mit Prof. Dr. Ulrike Marotzki leitet. Mertel lehrt an der HAWK im Bereich Empirische Sozialforschung und Theoriebildung, Marotzki ist Professorin für Ergotherapie und leitet den Masterstudiengang Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie. Sie haben die Teilnehmenden bereits vor der Fortbildung im Rahmen von Gruppendiskussionen interviewt. Dabei sei beispielsweise thematisiert worden, wie sie die Kommunikation mit Sterbenden bisher erlebt hätten, berichtet Mertel. Bald soll die erste Auswertung der Ergebnisse beginnen. „Es hat sich schon abgezeichnet, dass die Ehrenamtlichen manchmal unsicher sind, was sich die sterbende Person wünscht. Schließlich kann sie sich selbst nicht mehr mitteilen.“ Nach der Fortbildungsmaßnahme wird es eine zweite Befragung geben. „Wir möchten herausfinden, wie sich die Kommunikation mit Sterbenden mit dem Einsatz der basalen Stimulation verändert“, erläutert Mertel das Ziel der Studie. Aufbauend planen die Wissenschaftlerinnen eine weiterführende Studie zur nonverbalen Kommunikation mit Sterbenden durchzuführen, die die internationale Studienlage zu dieser Thematik berücksichtigt. „Langfristig könnten die Ergebnisse auch in die Ausbildung von Sterbebegleiter/innen einfließen.“ Julia Dittrich