Hildesheim, 18. Februar 2017

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Was fehlt, ist ein stationäres Hospiz

Hospizverein „Geborgen bis zuletzt“ besteht seit 15 Jahren

Mirko Peisert, Friedrich Wißmann, Christian Castel. 

Hildesheim. Sterbende Menschen nicht beiseiteschieben, sondern begleiten, den Tod als Teil des Lebens nicht verdrängen, sondern bei der Bewältigung von Trauer helfen – dafür steht seit 15 Jahren der Hospizverein „Geborgen bis zuletzt“ im evangelischen Kirchenkreisverband Hildesheim.

In der Nachkriegsgesellschaft sei der Umgang mit Tod und Sterben nicht mehr selbstverständlich gewesen, die Sorge für schwer kranke und alte Menschen zum Problem geworden, erinnerte der Vereinsvorsitzende Friedrich Wißmann an die Anfänge der Hospizbewegung. Die Familienmitglieder lebten häufig in verschiedenen Städten, Angehörige konnten sich nicht ausreichend um alte und kranke Verwandte kümmern. Riten und Traditionen, die früher bei Todesfällen Halt gaben, gerieten in Vergessenheit. „Die Zeit war reif für eine qualifizierte Begleitung Sterbender“, sagte Friedrich Wißmann. 

Superintendent Mirko Peisert und Vorsitzender Friedrich Wißmann. 

Im Jahr 2002 begannen die ersten Ehrenamtlichen in und um Hildesheim mit der Arbeit, im Jahr 2008 dann wurden die verschiedenen Gruppen und Initiativen auf Anregung des Kirchenkreisverbands-Vorsitzenden Christian Castel zu einem Verein zusammengeführt. Inzwischen sind rund 100 ehrenamtliche Sterbe- und TrauerbegleiterInnen für den Verein „Geborgen bis zuletzt“ tätig.

Ihr Einsatz in einem Gebiet, das von Coppenbrügge bis Hildesheim, Bockenem und Hoheneggelsen reicht, wird von Martin Sohns und Rita Willke koordiniert. Außerdem kooperiert „Geborgen bis zuletzt“ mit dem Ökumenischen Hospizdienst Sarstedt und arbeitet mit dem Kinderhospiz Löwenherz und zahlreichen anderen Einrichtungen zusammen. Die Ehrenamtlichen begleiten die Sterbenden und ihre Angehörigen zu Hause, im Krankenhaus oder im Altenheim. 

 Vorstandsmitglieder

Was Hildesheim fehle sei ein stationäres Hospiz, sagte Friedrich Wißmann. Oft sei es Angehörigen nicht möglich, ihre schwer kranken Verwandten beispielsweise in einem Hospiz in Hannover häufig genug zu besuchen. Den Wunsch nach einer Einrichtung in der Nähe hörten die Mitarbeitenden des Vereins daher immer wieder. Mit einem engagierten Träger würde der Verein „Geborgen bis zuletzt“ gern zusammenarbeiten, so der Vorsitzende.

Statt der üblichen Geburtstagsblumen hatte Superintendent Mirko Peisert unter dem Titel „Schau an der schönen Gärten Zier“ einen Blumen-Vortrag zur Feier des 15-jährigen Bestehens mitgebracht. Die Gartengestaltung liege in Deutschland gerade sehr im Trend, berichtete Peisert. Allerdings gab er keine gärtnerischen Tipps, sondern berichtete viel mehr von den zahlreichen bildlichen Bezügen zu Gartenthemen in der Bibel.

Im 16. Jahrhundert sei es dann Erasmus Alberus gewesen, der mit seiner Predigt über das Stiefmütterchen als Sinnbild der Dreifaltigkeit einen Boom der Pflanzenpredigten in Gang setzte. Auch für die Themen Sterben und Auferstehung fanden die Prediger damals Bilder aus der Gartenwelt, entsteht doch aus den Samen scheinbar toter Pflanzen immer wieder neues Leben.  Text und Fotos: Wiebke Barth