Harsum, 27. Januar 2017

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Wer ist hier wirklich "sozial schwach"?

Stiftung Familien in Not begrüßt Mirko Peisert als neuen Vorsitzenden

 Stiftungsvorsitzender Mirko Peisert

Hildesheim. Die Stiftung Familien in Not (FiN) hat einen neuen Vorsitzenden: Superintendent Mirko Peisert folgte Oberkirchenrat Helmut Aßmann in diesem Amt nach. Landessuperintendent Eckhard Gorka, Schirmherr der Stiftung, dankte Helmut Aßmann beim Jahresempfang für elf Jahre des Engagements für Familien in Not. Während Helmut Aßmanns Zeit als Vorsitzender sei es gelungen, das Gründungsvermögen der Stiftung zu verdoppeln.

Er werde FiN weiterhin verbunden bleiben und sich überall für die Stiftung einsetzen, versprach Helmut Aßmann. Sein Nachfolger als Superintendent im evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt wird nun auch sein Nachfolger als Stiftungsvorsitzender – und zwar sehr gern, wie Mirko Peisert betonte. 

Betriebsführung im Druckhaus Köhler 

Die Stiftung Familien in Not habe im vergangenen Jahr mit Beratung und finanzieller Hilfe 41 Familien begleitet, berichtete FiN-Koordinatorin Gisela Sowa. Insbesondere die Kosten für den Schulbedarf bei Einschulung oder Schulwechsel seien für die Familien oft nicht allein zu bewältigen. Gerade Alleinerziehende seien häufig auf Unterstützung angewiesen.

Das bestätigte auch Dr. Hans-Jürgen Marcus. Der ehemalige Direktor des Caritasverbandes für die Diözese Hildesheim sprach über das Thema „Armut und Teilhabegerechtigkeit“. „Armut hat immer etwas zu tun mit sozialer Ausgrenzung“, sagte Dr. Marcus. Dabei gebe es einen engen Zusammenhang zwischen Bildung und Armutsrisiko. Gleichzeitig seien die Bildungs- und Entwicklungschancen für Kinder sehr von der Herkunft abhängig.

 Dr. Hans-Jürgen Marcus

Die „Delegation der Bildungsverantwortung an die Familie“ sei in Deutschland im europäischen Vergleich besonders hoch. Es müsse ein stärkerer Akzent auf die öffentliche Hand gelegt werden, beitragsfreie Kindertagesstätten seien da ein richtiger Anfang: „Wir brauchen eine engagierte Bildungsdebatte.“ Das betreffe auch die Inhalte: Junge Menschen sollten zu Eigenverantwortung, Selbstkompetenz und gesellschaftlicher Solidarität erzogen werden.

Über Menschen, die von Armut betroffen sind, werde viel zu oft respektlos gesprochen, so Dr. Marcus. Ein Beispiel: Der Ausdruck „sozial schwach“ treffe wohl kaum auf eine alleinerziehende Mutter zu, die sich trotz Erwerbstätigkeit Zeit für ihr Kind nehme und sich die Ausgaben für Schulbedarf regelrecht vom Mund abspare.

Text und Fotos: Wiebke Barth