Hannover/Hildesheim, 6. Juni 2016

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„Ein Rhythmus! Ein Boot!“

„Ein Rhythmus! Ein Boot!“ Inklusives Drachenboot-Team der Diakonie Himmelsthür bringt die Fackel der Special Olympics über den Maschsee

Hannover/Hildesheim. „Das Ding ist richtig schwer“, bemerkt Daniela Knoop mitten auf dem Maschsee. Die halbe Strecke liegt mindestens noch vor dem Drachenboot der „Glücksritter“, doch da hilft nun alles nichts. Sie muss durchhalten bis zum anderen Ufer. Das „Ding“ ist nämlich die Fackel der Special Olympics, die gleich im Stadionpark eröffnet werden sollen. Das sind die nationalen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung, die bis zum 10. Juni in Hannover ausgetragen werden.

Die „Glücksritter“, das Drachenboot-Team der Diakonie Himmelsthür, haben die ehrenvolle Aufgabe, die Fackel vom West- zum Ostufer des Maschsees zu bringen und sie dort an das Radteam der „Unified Lions“ zu übergeben. „Wenn ich die Fackel versenke, werde ich bestimmt geteert und gefedert“, sagt Daniela Knoop, beißt die Zähne zusammen und konzentriert sich wieder auf ihre Aufgabe: den Rhythmus für die 20 Paddlerinnen und Paddler im Boot – BewohnerInnen der Diakonie Himmelsthür, Mitarbeitende, Freunde – einzuzählen. 

„Gemeinsam über den See! Ein Rhythmus! Ein Boot!“, ruft sie den TeamkollegInnen zu, die sich ordentlich ins Zeug legen. Ein paar Meter entfernt fährt ein Motorboot, von dort aus wird die Überfahrt mit einer Kamera gefilmt. Die „Glücksritter“, die die Fackel am Steg des Westufers von David Sulkowski, dem Geschäftsführer der Hannover Indians, übernommen haben, wollen natürlich ein gutes Bild abgeben.

Die Besatzung ist eingespielt, das merkt man sofort. Die Mitglieder kommen aus Hildesheim und Hannover. Vor fünf Jahren hat Daniela Knoop das inklusive Drachenboot-Team ins Leben gerufen und so Broterwerb und Hobby perfekt miteinander verbunden: Beruflich ist sie für die Diakonie Himmelsthür aktiv und leitet die Herberge zur Heimat. Privat engagiert sie sich im Kanu Club von 1921, organisiert alljährlich zu Pfingsten das Drachenboot-Rennen in Hannover mit und ist selbst schon mit dem Drachenboot Weltmeisterin geworden. Alle 14 Tage trainieren die „Glücksritter“ freitags auf dem Maschsee.

Dass sie die Fackel der Special Olympics tragen dürfen, haben sie dem Vorstand des Hannoverschen Kanu Clubs zu verdanken. Der bekam die Anfrage, ob er die Maschsee-Etappe übernehmen könnte und schaltete sofort: „Das wäre eigentlich eine Sache für die Glücksritter.“ Die sagten natürlich sofort zu.

„Und immer lächeln – für die Zuschauer“, erinnert Daniela Knoop das Team. Viele am Ufer fotografieren und filmen das Drachenboot mit der Fackelträgerin. Jetzt nähert es sich dem Übergabe-Punkt am Südost-Ufer, von wo aus schon Johlen und begeistertes Pfeifen herüberdringen. Das Drachenboot legt an, die Besatzung brüllt ihr Motto an Land: „Eins, zwei, drei, die Glücksritter sind dabei!“ Und das Ding, pardon, die Fackel? Ist trocken geblieben, brennt weiter und wechselt wohlbehalten in die nächste Hand. Ralf Neite

Bilder:

Gespannt warten die „Glücksritter“auf die Ankunft der olympischen Fackel. Fotos: Neite

David Sulkowski übergibt die Fackel an Daniela Knoop von der Diakonie Himmelsthür.

Die „Glücksritter“ legen sich ins Zeug und lassen das nördliche Westufer hinter sich.

Glücklich zurück auf dem Gelände des Clubs. Jetzt muss das Boot noch gut gesäubert werden – auch wenn am Freitag schon das nächste Training ansteht.