Hildesheim/Alfeld/Elze, 5. Februar 2018

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„Kein Heldengedenktag für Luther“

SuperintendentInnen in Alfeld, Elze und Hildesheim sind für den Reformationstag als neuen Feiertag – für alle Menschen

Die SuperintendentInnen Mirko Peisert, Katharina Henking und Christian Castel – hier vor dem Elzer Luther-Denkmal – befürworten die Pläne der Landesregierung, den Reformationstag zum gesetzlichen Feiertag zu machen. Foto: Neite

Hildesheim/Alfeld/Elze. Das Reformationsjubiläum hat im letzten Jahr ganz Deutschland einen zusätzlichen freien Tag beschert: Am 31. Oktober, dem Reformationstag, durfte gefeiert statt gearbeitet werden. Eine einmalige Ausnahme? Vielleicht nicht in Niedersachsen. Die Landesregierung hat Gefallen daran gefunden und möchte den Reformationstag zum alljährlichen Feiertag machen. Das schmeckt nicht allen, vor allem die Wirtschaft hat Bedenken. Die drei SuperintendentInnen in Alfeld, Elze und Hildesheim sind jedoch eindeutig dafür.

Ausschlaggebend sind die guten Erfahrungen aus 2017. „Landeskirchenweit waren unsere Kirchen übervoll“, berichtet Katharina Henking, Superintendentin in Alfeld. In einigen Fällen so voll, dass keine weiteren BesucherInnen mehr eingelassen wurden oder der Gottesdienst  wiederholt werden musste. „Damit hatten wir nicht gerechnet“, räumt ihr Hildesheimer Kollege Mirko Peisert ein, „da waren wir selbst zu kleingläubig“.  

„Die Wucht des Jubiläums“ habe wohl sehr zum Erfolg beigetragen, vermutet Katharina Henking. Allerdings sei der 31. Oktober ohnehin eine wichtige Wegmarke in der evangelischen Tradition: „Wir haben eine große Resonanz und Akzeptanz für den Reformationstag. Das zieht sich durch den ganzen Kirchenkreis, von Heinde bis Wetteborn.“ Ein besonderes Beispiel sei die Veranstaltung „Katharina bittet zu Tisch“ in Alfeld, die jedes Jahr mehr Menschen anziehe, so Henking. Wenn nun ein gesetzlicher Feiertag daraus werden sollte, sei es natürlich eine Herausforderung an die evangelische Kirche, diesen Tag mit Inhalten zu füllen. 

„Da habe ich keine Sorge, es gibt schon so viele gute Ideen“, meint Mirko Peisert. Auch Christian Castel, Superintendent in Elze, ist optimistisch: „Ich glaube, wir haben uns im Jubiläumsjahr qualifiziert, diesen Tag zu gestalten.“ Er fügt hinzu: „Es geht ja nicht darum, einen Heldengedenktag für Luther zu veranstalten.“

Katharina Henking greift den Faden auf: „Unsere Aufgabe ist es, die Impulse der Reformation für die Gegenwart fruchtbar zu machen. Freiheit und Verantwortung, lernen und bilden.“ Die Reformation habe Themen aufgerufen, die heute, 500 Jahre danach, nichts von ihrer Bedeutung verloren haben, sagt Mirko Peisert, und ergänzt die Liste um Sprache, Sozialgesetzgebung, politisches System.  

Er hebt einen weiteren Aspekt hervor: „Unsere Gesellschaft wandelt sich enorm. Umso wichtiger wird die Frage, welche Werte sie tragen.“ Eine der Errungenschaft der Reformation sei „die Entdeckung des Gewissens“ als Entscheidungsinstanz, betont Katharina Henking. Christian Castel verdeutlicht: „Freiheit ist in unserer Gesellschaft fast schon eine Monstranz. Aber ohne Verantwortung kann Freiheit in die falsche Richtung gehen.“  

„Es geht darum, einen Feiertag zu etablieren, der eine gesellschaftliche Relevanz hat“, fasst Henking zusammen. Peisert nickt: „Deshalb ist es richtig, so einen Tag für alle zu feiern.“ Und zwar ökumenisch, das sei für ihn selbstverständlich: „Ich würde den Tag nie in Abgrenzung zur katholischen Kirche feiern.“ Das sieht Katharina Henking genauso: „Mir ist es wichtig, dass wir den Reformationstag als einladende Kirche gestalten – mit Veranstaltungen, die die Menschen über die Grenzen von Konfessionen und Religionen hinweg ansprechen.“ 

Geht das alles nicht auch ohne Feiertag? „Nein!“, entgegnet Katharina Henking: „Der Feiertag gibt den Menschen die Zeit und den Raum, die guten Angebote der Kirche auch wahrzunehmen, ausgeruht und fröhlich statt am Ende eines Acht-Stunden-Tages.“ Auch in der Kirche gibt es freilich Kritiker. In Hildesheim beispielsweise fürchten einige Pastoren, dass die Tradition der Kita- und Schulandachten leiden könnte. 2017 habe gezeigt, dass diese Sorgen unbegründet seien, sagt Mirko Peisert: „Die Schulgottesdienste werden einfach einen Tag später gefeiert.“              kuk