Brunkensen, 22. Juni 2017

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„Ich wollte unbedingt aufs Dorf“

„Ich wollte unbedingt aufs Dorf“ Innerhalb weniger Wochen beginnen vier junge PastorInnen ihren Dienst im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld

Die beiden SuperintendentInnen des Kirchenkreises trafen sich mit den vier frischgebackenen PastorInnen zur Kennenlern-Runde im Pfarrgarten in Brunkensen. Von links: Christian Castel, Katharina Henking, Lars Röser-Israel, Dr. Marvin Döbler, Sabrina Wascholowski und Stephanie Radtke. Foto: Neite 

 Landkreis Hildesheim. Die Kirche hat Nachwuchssorgen. Gerade auf dem Land wird es immer schwerer, freigewordene PastorInnen-Stellen neu zu besetzen. Umso größer ist die Freude bei Katharina Henking und Christian Castel, den SuperintendentInnen im Kirchenkreis Hildesheimer Land-Alfeld: Innerhalb weniger Wochen haben gleich vier junge PastorInnen ihren Dienst aufgenommen. Eine „Frischzellenkur“ sei das, findet Katharina Henking.

Den Neuen ist gemeinsam, dass sie ihr Vikariat abgeschlossen und nun ihre erste Stelle als Pastor oder Pastorin angetreten haben. Lars Röser-Israel lebt sich gerade in Brunkensen ein. Die letzte Station des 36-Jährigen war Hamburg, wo er ein Sondervikariat absolvierte. Er habe sich bewusst für eine Stelle als Dorfpastor entschieden, weil die Kirche hier selbstverständlicher dazu gehöre als in der Großstadt: „Das hoffe ich jedenfalls.“ Außerdem liege Brunkensen verkehrstechnisch günstig, weil seine Frau Carlotta in Göttingen studiert, so Lars Röser-Israel.

„Bei mir war es fast identisch“, erzählt Stephanie Radtke, eine gebürtige Berlinerin. „Ich wollte unbedingt aufs Dorf mit einer guten Anbindung nach Hannover.“ Ihre Frau Ellen ist ebenfalls Pastorin und hat eine Stelle bei der Evangelischen Kirche Deutschlands in Hannover angenommen – zuvor hatten die beiden gemeinsam 18 Dörfer in Brandenburg betreut. „Bis zu der am weitesten entfernten Gemeinde musste ich über eine Stunde mit dem Auto fahren“, so Stephanie Radtke. Dagegen ist Eime mit den umliegenden Ortschaften geradezu paradiesisch: Alles ist locker mit dem Fahrrad zu erreichen. Als ihr im Landeskirchenamt die Stelle angeboten wurde, hat die 32-Jährige allerdings nicht den leisesten Schimmer gehabt, wo die Region Gronau sein könnte – geschweige denn Eime.

Das war bei Dr. Marvin Döbler freilich anders, er ist in Osterwald aufgewachsen. Seine neue Pfarrei in Mehle ist quasi gleich um die Ecke. Zwischenzeitlich hat hat er mit seiner Frau Ilina eine Weile lang in der USA gelebt, bis sie 2009 einen Ruf als Professorin der Universität Göttingen annahm. Seither wohnen beide wieder in Osterwald. Marvin Döbler arbeitete einige Jahre am Institut für Religionswissenschaft der Uni Bremen. Der Theologe beschloss dann aber, doch noch Pastor zu werden und machte ein Vikariat in Bad Münder. Nun, mit 38, hat in Mehle seine erste Stelle.

Als Vierte im Bunde ist kurz vor Sommerferienbeginn Sabrina Wascholowski in Heinde zur Pastorin ordiniert worden. Eigentlich suchte die 31-Jährige etwas an der Grenze zu Hessen, weil ihre Frau Saskia in Eschwege als Lehrerin arbeitet. Beide sind auf dem Land groß geworden und wollten auch wieder dorthin. Nun ist es die Gemeinde Innerstetal geworden. „Bisher habe ich das Gefühl, das große Los gezogen zu haben“, sagt Sabrina Wascholowski strahlend – die Gemeinde habe sie ungemein herzlich empfangen. Im Kürze zieht ihre Frau ebenfalls nach Heinde, um sich in der Nähe eine Stelle zu suchen.

Für Christian Castel sind die vier Neuen Anlass zur Hoffnung. „Ich habe hier in der Tat schon den sterbenden Schwan gesehen“, räumt der Elzer Superintendent ein. Er befürchtete, dass für die vielen PastorInnen des Kirchenkreises, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen werden, kein Ersatz zu finden wäre. Auf seine Initiative hin hatte der Kirchenkreis hat deshalb einen Antrag an die evangelische Landessynode gestellt, zusätzliche Anreize für PastorInnen im ländlichen Raum zu schaffen.

Die gibt es noch nicht. Doch die jetzige Entwicklung zeige, dass er vielleicht ein bisschen zu schwarz gesehen habe, so Castel. Mit Katharina Henking freut er sich jetzt auf andere Erfahrungen und Perspektiven, die die jungen KollegInnen mitbringen. Die Alfelder Superintendentin: „Das tut auch den älteren Kollegen gut.“ Ralf Neite